Er kickte in der 2. Liga Italiens. Jetzt sorgt Sirus Motekallemi als Trainer von Español Karlsruhe für Furore. Sein großes Idol: Pep Guardiola.

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eben seinem Bett und auf dem Schreibtisch liegt ein Zettel, auf dem Ideen zur Aufstellung, Taktik oder zum Training mal eben schnell notiert werden können. „Eigentlich ist man 24 Stunden am Tag Trainer“, schmunzelt der 28-jährige Sozialpädagoge Sirus Motekallemi. Vielleicht lege sich das ja mit den Jahren, aber in der ersten Trainer­station bei Español Karlsruhe gebe es kaum eine Minute, in der er nicht an Ideen für seine Mannschaft feilt. Und das mit Erfolg. Zu Beginn der Saison übernahm er die Mannschaft, die mit 14 Abgängen und 14 Neuzugängen ganz neu aufgestellt wurde, und überraschte die Liga.
Der Trainer erwartet viel. Motekallemi gibt Anweisungen, unterstützt, leitet an, auf Deutsch und dann auf Spanisch, Englisch. „Deutsch wird die Hauptsprache bleiben.“ Schließlich sollen alle hier integriert werden, so der Trainer, der fünf Sprachen fließend beherrscht: Italienisch, Spanisch, Deutsch, Englisch und Persisch. Auch wenn er ein ausgewiesener Taktikfanatiker ist, weiß er, dass für seine Spieler der Spaß am allerwichtigsten ist.
Am Tag nach dem Spiel beeilt sich die Laufgruppe etwa, um endlich auf den Platz zu dürfen. Dort trainiert eine ­Gruppe ­Angriff und Verteidigung, zwei gegen zwei, die anderen spielen Fußballtennis.

Fußball-Trainer Sirius Motekallemi von Espanol karlsruhe
Foto © Michaela Anderer

Ein Geheimnis hinter seinem Erfolg gibt es nicht. „Die Basis für Erfolg sind neben Disziplin und harter Arbeit der Spaß und die Freude am Fußball“, sagt Motekallemi, der mit 24 seine aktive Karriere, die den Ex-Mittelfeldakteur auch in die zweite Liga Italiens nach Brescia führte, nach dem vierten Kreuzbandriss beenden musste.
Die Freude an seiner Arbeit und dem Fußball vermittelt er seinen Spielern. „Mit ihm macht das Training Spaß. Er hat gute Fußballkenntnisse, einen tollen Charakter und große Erfahrung als Fußballer. Er weiß, wie es in unseren Köpfen aussieht“, lobt Top-Torschütze Pablo Valencia Rivada seinen Trainer, für den der Verein über allem steht. Jeder, vom Zeugwart über Auswechselspieler hin zum Trainer, sei wichtig für den Erfolg, „ein Rädchen muss ins andere passen“.
„Ein Trainer muss mehrere Sachen können. Er muss Pädagoge sein, Psychologe, hart durchgreifen können und das Gespür für die Mannschaft haben, wann er Freiheiten lässt und wann er anzieht. Pep Guardiola sagte: Die Mannschaft macht einen guten Trainer. Dessen muss man sich bewusst sein. Man dient der Mannschaft, das ist meine Meinung. Man herrscht nicht von oben nach unten“, so Sirus Motekallemi. Das nächste große Ziel: der Aufstieg mit Español Karlsruhe in die Verbandsliga.
Infos und Spieltermine: www.fc-espanol.de
Fotos © Michaela Anderer