Christina Melle besetzt beim 1. FFV Erfurt gleich mehrere wichtige Rollen. Ihr härtester Gegner abseits vom Platz: die vielen Nörgler.

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iese Geschichte beginnt mit einem großen Missverständnis. Das deutsche Fußballteam der Frauen ist amtierender Europameister und Olympiasieger, trotzdem ist der Sport noch immer in den meisten Köpfen eine reine Männerdomäne. Dass es in Erfurt bereits seit 20 Jahren einen Frauenverein gibt, dürfte manche daher verwundern. Und eine der prägenden Figuren der Stadt ist Christina Melle vom 1. FFV Erfurt. Sie ist Spielerin, Trainerin und Vorstandsmitglied gleichzeitig. Die 27-Jährige weiß: „Gerade im Frauenfußball ist immer noch extraviel Engagement notwendig, um Projekte auf die Beine zu stellen und Ziele zu erreichen.“

Dabei verweist sie auch auf die Geschlechter-Problematik, die scheinbar allgegenwärtig ist. Im Gespräch verrät Christina: „Neulich wurde mir wieder mal zugerufen, ich solle mir doch einen weiblicheren Sport aussuchen. Auch Eltern reagieren oft sehr zögerlich, wenn die Töchter bei uns ihre ersten Trainingseinheiten mitmachen und begeistert sind.“ Hinzu kommen ­finanzielle Sorgen für den Verein, da Sponsoren viel seltener bereit sind, weib­liche Mannschaften zu unterstützen.

Wie kann man diesen Vorbehalten und Problemen entgegentreten? „Indem man den Menschen klarmacht, dass auch Frauenfußball attraktiv ist und der Spaß am Sport nichts mit dem Geschlecht zu tun hat“, sagt Christina Melle. Die jüngsten Erfolge des Nationalteams scheinen zu wenig zu sein. Um die Aufmerksamkeit für Frauenfußball zu wecken, setzen Melle und die anderen Mitglieder des 1. FFV Erfurt sowohl auf große Anlässe wie das Vereinsjubiläum im Sommer als auch auf andere Aktionen wie die wöchentliche Schul-AG. Die Erfolge, die der Verein feiert – allen voran die erfolgreichen Spiele in der Regionalliga – sprechen für sich und zeigen, dass der 1. FFV Erfurt auf dem richtigen Weg ist. Auch die U11-Mannschaft, die von Christina Melle und einer ihrer Mitspielerinnen trainiert wird, etabliert sich immer mehr. Die Erfurterin erinnert sich zurück: „Am Anfang der Saison mussten wir echt kämpfen. Wir hatten gerade einmal vier Spielerinnen. Inzwischen sind es zwölf, und wir haben auch schon einige Turniere erfolgreich ­bestritten. Es ist schön zu sehen, wie sich die Mädchen entwickeln, sowohl spielerisch als auch persönlich.“

Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis der Frauenfußball vollständig in der Gesellschaft ankommt. Für die Spielerin und Trainerin steht jedenfalls fest: „Ich bin mit Fußball aufgewachsen. Für mich stellte sich nie die Frage, ob das ein ‚normaler‘ Sport für ein Mädchen ist.“

Mehr Infos & Spieltermine: www.ffv-erfurt.de

Aufmacherfoto © Danny Neidel