Markus Rues war bereits Europa­meister und Vize­weltmeister. Jetzt bringt er vor allem Jugendlichen und Kindern Karate bei.

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m Anfang stand eine Rangelei unter Kindern. „Der andere hat behauptet, er könne Karate. Das wollte ich erst mal sehen“, erinnert sich Markus Rues zurück an jenen Tag im Jahr 1975. Rues war neun Jahre alt und wusste nicht, was „Karate“ ist. Er wusste nur, dass er sich von dem anderen keine Frechheiten bieten lassen wollte. Die „Strafe“, die ihm sein Vater nach der Prügelei aufbrummte: Karate-Training.

„Du musst heute zum Training“, heißt es in den ersten Monaten. „Gehst du etwa schon wieder zum Karate?“, fragt sein Vater wenig später. Da ist Markus Rues schon längst vom Kampfsport-Fieber infiziert. Er hat den richtigen Trainer, Talent und den Biss, den ein Jugendlicher im Sport braucht, um nicht auf Amateurniveau stehen zu bleiben. Also absolviert der junge Karateka in seiner Wettkampfzeit bis zu zwölf Trainingseinheiten pro Woche, dazu kommen Wettkämpfe am Wochenende.

Das harte Training und die große Diszi­plin haben sich gelohnt: Inzwischen blickt Markus Rues auf 42 Jahre im Sport und diverse nationale und internationale Titel zurück – darunter einen Vizeweltmeister­titel und einen Europameistertitel. Doch dieses hohe Niveau im Leistungssport fordert auch seinen Tribut. „Nach 21 Jah­ren aktiven Wettkampfs war ich ausgebrannt. Ich hatte keinen Spaß mehr“, sagt der Sportlehrer von der Konstanzer Theodor-Heuss-Realschule. Heute lebt der zweifache Vater seine Karate-Leidenschaft nicht mehr als aktiver Sportler aus, sondern als internationaler JKA-Welt­kampfrichter und Trainer.

„Ich finde es toll, dass Karate für alle Altersklassen geeignet ist. Mein ältester Schüler ist über 80 Jahre alt und fit wie ein Turnschuh!“, sagt der 51-Jährige. Die meisten der Karatekas, die er in seinen Kursen im Konstanzer Fitness-Dojo ausbildet, sind jedoch wesentlich jünger. Rues trainiert vor allem die Kinder- und Jugendgruppen und kümmert sich seit inzwischen zehn Jahren um den Nachwuchs der deutschen Nationalmannschaft. Dabei lernen die Mädchen und Jungen von ihrem Sensei (Lehrer) viel mehr als nur Karate. „Der Sport schult ihr Selbstbewusstsein und ihre Körperkontrolle. Sie lernen, sich zu verteidigen und dabei fair zu kämpfen“, erklärt Rues.

Er macht deutlich, dass es dabei nicht nur um die körperliche Fitness geht, sondern auch um den Kopf. „Ich versuche auch eine geistige Haltung zu schulen, die meinen Schülern hilft, ihr Leben vernünftig zu meistern. Manchmal muss man sich eben Dingen stellen, die keinen Spaß machen“, sagt Markus Rues – im Karate genauso wie im Alltag.

Mehr Infos: www.karate-fitness-dojo-konstanz.de