Sie brach sich das Handgelenk. Nicht gerade gute Voraussetzungen für die Karriere einer Turmspringerin, oder?

Es war einmal vor genau 15 Jahren, als die sehr erfolgreiche Wasserspringerin Maria Hartmann ihre Karriere von einem Tag auf den anderen beenden musste. „Ich hatte einen Handgelenksbruch, der leider erst viel zu spät festgestellt wurde. Nach einer komplizierten Operation hätte das Gelenk der extremen Dauerbelastung niemals standgehalten, die für das Sprungtraining vom 10-m-Turm nötig ist. So musste ich mich 2003 schweren Herzens von meinem geliebten Sport verabschieden“, erinnert sich die zweifache Mama, die bis dahin schon einige Titel und Medaillen bei Deutschen Meisterschaften abgestaubt hatte.

Um Sprunghallen machte sie in den ersten Jahren einen großen Bogen: „Das war einfach eine schwere Zeit für mich.“ Maria Hartmann ist aber keine, die sich so einfach unterkriegen lässt. So hatte sie schon damals den festen Plan, später im Mastersbereich wieder einzusteigen. In dieser Klasse können ehemalige Wasserspringer und Quereinsteiger ab 25 Jahren antreten. Anders als im Leistungsbereich ist hier kein mehrfaches tägliches Training erforderlich. Das Handgelenk kann ihr diesmal keinen Strich durch die Rechnung machen. Allerdings stand mit 25 Jahren erst einmal anderes auf der Prioritätenliste: Maria absolvierte erfolgreich ein Studium zur Betriebswirtin und konzentrierte sich auf die Familienplanung. Auf Sohn Alexander folgte vor drei Jahren die kleine Anna.

Sohnemann Alexander war es dann auch, der die alte Liebe zum Sport neu entfachte – ganz unfreiwillig: „Vor zwei Jahren habe ich meinen Sohn zum Wasserspringen angemeldet und fand mich plötzlich jeden Samstagvormittag in der Sprunghalle wieder, wo ich dann relativ schnell neu ‚Blut geleckt‘ habe. Ende 2016 traute ich mich das erste Mal wieder in den Badeanzug und habe die ersten Sprünge versucht, die erstaunlicherweise sehr gut waren.“ So gut, dass sie nach regelmäßigem Training ausgerechnet dort ihr Comeback feierte, wo sie einst ihre letzten Sprünge gemacht hatte: Bei den Deutschen Masters-Meisterschaften in Aachen holte sie in ihrer Altersklasse vier Goldmedaillen in sämtlichen Kategorien. Glanzvoller geht’s nun wirklich nicht.

Dass sie jüngst bei der Masters-WM im August in Budapest noch einen draufsetzen würde, hätte sie selbst nicht geglaubt: „Ich habe mit einer Goldmedaille geliebäugelt“, gibt sie lachend zu. Abgeräumt hat sie am Ende drei – „der absolute Wahnsinn!“ Von Familie, Freunden und Arbeitgeber erhält „Gold-Marie“ die maximale Unterstützung und bekommt so Sport, Vollzeitjob und Alltagsstress gut unter einen Hut. Als Nächstes stehen die Deutschen Meisterschaften, im September 2018 die EM in Slowenien und 2019 die WM in Südkorea auf dem Plan. Hut ab vor dieser Powerfrau!

Weitere Infos: www.dsc1898.de unter „Wasserspringen“