Downhill durch die Zittauer Canyons oder heiße Reifen im Harzer „Dschungel“: Deutschland ist ein Eldorado für Biker

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eschafft! Die letzten Höhenmeter hinauf zum Gipfel gerollt, das erste Sonnenlicht lässt Wernigerode im Tal glänzen, und wenig später fällt das rosa Spotlight auch auf den Brockenturm. So eine Aussicht ist bei einer Mountain­bike­tour im Harz ein echter Glückstreffer, denn sonnige Gipfeltage sind rar. Das ­Raubein-Image hat die Gegend nicht umsonst. Dafür sind viele Single­trails im Revier des Nordens auch urig grün wie ein Dschungel. Nichts ist schöner, als eine ganze Tourenwoche lang rund um den Brocken Trail­kilo­meter zu sammeln. Bei leichtem Nebel wirkt die ganze Landschaft mystisch und eigentümlich, die schroffen Felsen in den Wäldern sehen aus wie verirrte Zwerge oder Orks.

Mountainbiker sping auf dem Fahrrad im Wald
Foto © Stocksy.com/Luke Gram

2.000 Kilometer Streckennetz und 31 Stand­orte in drei Schwierigkeitsgraden gibt es allein in der Volksbank Arena Harz. Und das in allen Facetten, für Anfänger und  Fortgeschrittene, ob Cross Country, Free­ride oder Dirt. Die Strecken beweisen: Man muss heute nicht extra bis nach Kanada reisen, um spaßige Trails und Panoramakino zu erleben. Auch Deutschland ist ein kleines, aber feines Mountain­bike­-Dorado: ­atemberaubende Hügellandschaften, bergige Wälder und Täler, im Süden die Alpen, im Norden die Steilküsten mit Meerblick.

Immer mehr Mountainbiketouren werden ausgewiesen, immer mehr Trails eingerichtet und Bike­parks eröffnet. 19 Stück gibt es mittlerweile.
Ein Vorzeigekandidat ist der Bike­park Winterberg im Sauerland, der sogar unter Experten das „Whistler“ Deutschlands genannt wird – ein gewagter Vergleich, denn der Winterberg ist gerade mal schlappe 178 Meter hoch.

Dass der Park so hoch im Kurs liegt, liegt in erster Linie am international erfahrenen Streckendesigner Diddie Schneider, der auch im Bike­park ­Geisskopf die Strecken entworfen hat. Free­rider, Down­hiller und Slope­styler haben hier die Wahl zwischen zehn Strecken inklusive Übungsparcours und Single­trail. Fazit des Bike-Magazin-Tests 2016: „In Mittel- und Norddeutschland ist Winterberg die Nummer eins.“ Canyons cruisen in Deutschland? Aber klar doch, und zwar an der Grenze zu Tschechien und Polen, etwa im ­Zittauer Gebirge. Dort, im ­kleinsten Mittelgebirge mit 48 Quadrat­­kilometern, schlängeln sich um den 793 Meter hohen Berg Lausche lauter geheimnisvolle alte Schmugglerpfade durch die Wälder. Das Sandsteingelände hat dem Mini-Canyon ebenfalls einen prominenten Vergleich mit dem beliebten Slick­rock Trail bei Moab in Utah eingebracht. Und auch das sächsische Revier wartet mit grandiosen Felslabyrinthen auf.

Mountainbiker Outdoor cooler Sprung
Foto © Stocksy.com/good vibrations

Nach der Singletrail-Dröhnung kann man einen Boxenstopp einlegen und Herzhaftes aus der böhmischen Küche essen, etwa im urigen Berggasthof Hochwaldbaude. Wer im Umfeld von Burgen in die Kurven gehen will, sollte unbedingt einen kleinen Abstecher ins Mountain­bike-Eldorado nach Stromberg in Rheinland-Pfalz machen. Hier findet man den ersten kurvenreichen Flowtrail Deutschlands mit wenig Gefälle, der von der DIMB (Deutsche Initiative Mountain ­Bike) mit der „Premium“-Plakette ausgezeichnet wurde. Abfahrten wie der Wild-Hog- und No-Jokes-Trail dieses 6,3 Kilometer langen Rundkurses von Stromberg sorgen für Glücksgefühle auf dem ­Bike!

Weitere Infos:
www.volksbank-arena-harz.de
www.bikepark-winterberg.de
www.altersachse.de (Zittauer Gebirge)
www.flowtrail-stromberg.de