Der Öko-Boom geht weiter: Die Outdoor-Branche entwickelt immer mehr Produkte für Naturfreunde mit gutem Gewissen.

Wer draußen Urlaub macht, setzt damit auch Zeichen. Wanderer, Kletterer, Bezwinger von kilometerlangen Trails gelten als ökologisch denkende Menschen, für die Nachhaltigkeit nicht bloß eine gute Idee, sondern ein entscheidender Beitrag zur Rettung des Planeten ist. Doch der Teufel wandert im Detail. Denn viele Outdoor-Produkte sind nicht öko, wetterfeste Kleidung besteht vor allem aus Kunststoff, und der wiederum wird aus Erdöl gewonnen. Die langlebigsten und leistungsstärksten Ausrüstungssubstanzen für Textilien enthalten PFC, gesundheitsschädliche Chemikalien. Hinzu kommt, dass viele Hersteller in Ländern produzieren lassen, die nicht gerade dafür bekannt sind, Arbeitsbedingungen zu bieten, die dem verantwortungsvollen Trekkinghosen-Träger gefallen dürften.

Lange Zeit hat die Outdoor-Branche die kritischen Umweltthemen ausgeblendet. Noch 2011 mo- nierte der Unternehmensberater Hartmut Heinrich im „Handelsblatt“: „Wenn es um Nachhaltigkeit geht, ist keine der bekannten Outdoor-Firmen ein Vorreiter.“ Inzwischen gibt sich selbst ein Mann wie der Schwede Joel Svedlund, Nachhaltigkeitsberater und Mitglied der Ispo-Award-Jury im Bereich Eco Responsibility, optimistisch. Er sagt: „Die beste Zeit für den Start in die Nachhaltigkeit ist jetzt. Der Schlüssel ist die Nachverfolgbarkeit: Unternehmens- verantwortliche sollten ihre ganze Wertschöpfungskette kennen. Sie müssen mehr über die Herkunft ihrer Materialien lernen, sie müssen herausfinden, wie die Arbeitsbedingungen bei all ihren Handelspartnern sind.“

Vaude Outdoor
© Vaude

Wie das gehen kann, zeigt die deutsche Outdoor-Marke Vaude, 2015 als „Deutschlands nachhaltigste Marke“ ausgezeichnet. Seit 2001 produziert das Unternehmen nach dem Bluesign-Standard, der besonders schadstoffarm hergestellte Textilien auszeichnet. Dass Nachhaltigkeitsberichte seit 2017 in allen größeren Unternehmen der EU Pflicht sind, darf sich auch Vaude auf die Fahnen schreiben. Die Firma lebt den Gedanken vor, Mitarbeiter sollen mit dem Rad zur Arbeit kommen, die Unternehmenszentrale ist klimaneutral. Diese Philosophie zahlt sich aus: Während die komplette Branche im Jahr 2015 ein Wachstum von 2,2 Prozent erfuhr, machte Vaude neun Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr. Vaude-Chefin Antje von Dewitz bestätigt den Erfolg im Branchenmagazin „W&V“: „Nachhaltigkeit ist auch ein Verkaufsargument. Sie ermöglicht uns, neue, wertorientierte Zielgruppen zu erschließen.“

Ebenfalls Vorreiter dieser neuen Ökobewegung im Outdoor-Bereich ist eine Marke, die vor allem dadurch bekannt geworden ist, dass vorrangig ökologisch bewusste junge Frauen den markanten Fuchs aus dem Markenlogo auf dem Rücken spazieren tragen. Auch die Schweden von Fjällräven haben erkannt, dass zu ihrem Image der Raubbau an Natur und Mensch so gar nicht passt, und fahren deshalb seit Jahren entsprechende Programme im Sinne der Nachhaltigkeit. „Wahre Outdoor-Freunde sind bemüht, keine Spuren in der Natur zu hinterlassen“, heißt das Motto, „genauso wie wir unseren Lagerplatz so verlassen, sind wir als Unternehmen bemüht, die negativen Umweltauswirkungen unseres Handelns so gering wie möglich zu halten.“

Fjallraven Outdoor
© Fjällräven

G-1000-Produkte werden etwa mit Greenland Wax, einer Mi- schung aus Bienenwachs sowie Parafin, imprägniert und sind somit PFC-frei. Seit 2015 gibt es Eco-Shell-Produkte im Sorti- ment, die wasserdicht und PFC-frei imprä- gniert sind und zu 100 Prozent aus recycel- tem Polyester bestehen. Die Daunen der Jacken können bis zum Gänseküken zu- rückverfolgt werden. Außerdem vergleiche man die Materialien und wähle „stets jene mit den besten Nachhaltigkeitsprofilen“.

Weil die fluorcarbonfreien Imprägnierungen nur zwei Waschgänge halten, rät Fjällräven, die Eco-Shell-Produkte regelmäßig neu zu imprägnieren. Natürlich PFC-frei. Die auf der Homepage angebotene Halbliterflasche kostet 19,95 Euro. Vaude ist ab der Kollektion Frühjahr/Sommer 2018 in der kompletten Bekleidung PFC-frei. Bis dahin wird teilweise noch damit gearbeitet. Wer bereits jetzt darauf verzichten möchte, sollte auf das Eco-Finish-Label achten, mit dem Vaude seine PFC-freie Ausrüstung kennzeichnet.

Weitere Infos: www.vaude.com, www.fjallraven.de