Patrick Rokohl träumt von der Weltmeisterschaft. Sein Glaube soll ihm dabei helfen

A

ls Patrick Rokohl im Februar seinen Boxkampf gegen den Bosnier Slavisa Simeunovic im Magdeburger Maritim Hotel gewonnen hatte, reckte er die Arme in die Luft . Und dann streifte sich der 28-Jährige ein T-Shirt über den verschwitzten Körper: „All 4 mom“ war darauf zu lesen. Alles nur für seine Mutter. Die Botschaft hatte einen Grund: Jutta Rokohl lag im Krankenhaus und konnte ihrem Sohn ausnahmsweise mal nicht live am Ring die Daumen drücken. „Normalerweise ist sie immer dabei. Sie ist es auch, die mich zum Boxen gebracht hat“, erklärte Rokohl später.

Der Braunschweiger hat im Alter von zwölf Jahren beim Box-Club 72 mit dem Sport begonnen. Später schloss er sich dem BAC Wolfenbüttel und den Tigers Salzgitter an. Nach vielen Jahren im Amateurbereich wagte er 2015 den Sprung ins Profiboxen. Auf eigene Faust, ohne Manager oder Promoter. „Ich vermarkte mich selbst. So machen es mittlerweile bekannte Leute wie Felix Sturm oder die Klitschkos auch“, sagte Rokohl damals. Mit Harun Sipahi gewann er einen in der Region bekannten Trainer für sein Projekt.

Einen Weg zurück gibt es für Rokohl nicht. Hat ein Boxer seinen ersten Profikampf hinter sich, ist er für das Amateurboxen gesperrt. Aber das muss den Braunschweiger nicht stören. Sein Plan ist bisher aufgegangen. Er boxt sich von Sieg zu Sieg. Rokohls Bekanntheitsgrad ist gestiegen, neue Sponsoren sind hinzugekommen. Und die Fangemeinde ist gewachsen. „Mittlerweile ruft ganz oft irgendwer an, den ich nicht kenne. Entweder beglück- wünschen mich Leute zu einem Sieg, wünschen mir viel Erfolg für den nächsten Kampf oder haben eine Frage“, berichtet der Halbschwergewichtler.

Für das oft zu beobachtende Showgehabe im Profiboxen ist der Mann mit dem Kampfnamen „The Patriot“ nicht zu begeistern. Sportliche Fairness steht bei ihm ganz weit oben. Bevor er in den Ring steigt, faltet er die Hände und betet zu Gott. „Ich bin gläubiger Katholik“, verrät Rokohl. Ob der Sport mit christlichen Werten zu vereinbaren sei? Der Boxer sieht da keinen Konflikt. „Ich beiße ja keinem das Ohr halb ab, wie es andere getan haben“, meint er und spielt damit auf Mike Tyson an. Der frühere Schwergewichtsboxer mit Hang zum Wahnsinn hatte 1997 in einem legendären Kampf Kontrahent Evander Holyfield in der dritten Runde ein Stück des rechten Ohres abgeknabbert. Bis heute eine der kuriosesten Anekdoten aus der Welt des Boxsports.

Was die Zukunft bringt? Das bleibt abzuwarten. Deutscher Meister im Halbschwergewicht ist der 28-Jährige Ende vergangenen Jahres bereits geworden. Sein Fernziel ist die Europameisterschaft. Rokohls Traum: die Weltmeisterschaft . Mit Gottes Hilfe.

Weitere Infos unter: www.patrickrokohl.com

Aufmacherfoto © Peter Widert