Der Surfer und Folk-Musiker führt jedes westfälische Negativklischee ad absurdum

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urfer, Singer-Songwriter, Sonnyboy. Und: aus Münster. Einer Stadt, der der Ruf vorauseilt, hier würden entweder die Kirchenglocken läuten oder es würde regnen. Das klingt paradox. Und trifft man Julian Braun alias „Jules Ahoi“, diesen braun gebrannten Wellenreiter aus dem Bilderbuch mit seinen langen blonden, salzwassergebleichten Haaren, dann kann man sich nur schwer vorstellen, dass sein Herz inbrünstig für eine Stadt schlägt, in der es laut Wetterstatistik an 190 Tagen des Jahres vom Himmel nieselt. „Ist aber so“, sagt Jules. „Auch wenn es mich immer wieder ans Meer zieht – Münster ist und bleibt meine Lieblingsstadt, mein Lebensmittelpunkt. Hier habe ich mein Abitur gemacht, hier habe ich die tollsten Freunde gefunden, in einer wunderbaren Musiker-WG gewohnt, meine ersten Konzerte gespielt, das letzte Album aufgenommen. Das hat mich alles sehr geprägt und mit der Stadt verbunden.“

Seit seiner Jugend reist Jules mit seinem VW-Bulli regelmäßig entlang der Küsten Dänemarks, der Niederlande oder Frank-reichs und macht sich auf die Suche nach den besten Surfwellen. Oder versucht, sich die Wellen auf besonders kreative Weise nach Münster zu holen: „Einmal war ich in einer Klausurenphase vom Lernen so gerädert, dass ich einfach nur noch surfen wollte. Dann habe ich probiert, mir hinter dem Hallenbad Mitte in der Aa eine künstliche Flusswelle zu bauen. Das hat leider nur semigut funktioniert – und der Bademeister war auch nicht gerade begeistert. Aber zumindest die Hallenbadbesucher schien es zu amüsieren, wie ich mit meinem Neoprenanzug in den Fluss gestürzt bin“, lacht Jules.

Sein Lehramtsstudium hat er mittlerweile geschmissen, um seine Leidenschaften zum Beruf zu machen. Seinen Lebensunterhalt verdient er seither als Surflehrer, Model und Musiker. Als „Saltwalter-Folk“ bezeichnet er den Stil seiner Band „Jules Ahoi & the Deepsea Orchestra“, mit der er 2017 in Münster, Deutschland und Europa auf Tour sein wird. Und wie war das mit dem münsterschen Regenwetter? „Das bewundere ich so an den Münsteranern: Dadurch, dass es eigentlich ständig meimelt, ist es den Leuten einfach völlig egal und keiner bekommt mehr schlechte Laune, weil er mal wieder den Regenponcho auspacken muss.“ Wer Jules Ahoi persönlich kennen- lernen möchte, kann ihn entweder in diesem Jahr auf einem seiner Konzerte besuchen. Am 8. Juli spielt er etwa mit seiner Band beim Münster-Mittendrin-Festival. Oder man sollte einfach nur nach seinem Surf-Bulli Ausschau halten.

Musik und weitere Infos: www.julesahoi.com

Aufmacherfoto © Stefanie Herbst