Notunterkunft: Aus Ästen und Laub

Notfallguide Unterkunft aus Ästen und Holz bauen
Foto © shutterstock.com/Tatyana Vyc

Bei einer Trekkingtour im Wald verlaufen und kein Zelt und keinen Schlafsack dabei? Keine Panik! Vor wilden Tieren, Nieselregen oder einer Nacht mit Minusgraden kann auch eine selbst gebaute Hütte schützen. Die „Debris Hut“ sieht aus wie ein kleines Firstzelt und lässt sich aus Materialien zimmern, die leicht aufzutreiben sind: trockenes Laub, Moos, Reisig und Äste in verschiedenen Größen. Wichtigste Regel für die Wald­architekten: Das einzige Schlafzimmer der Hütte sollte nur so klein sein, dass man gerade noch Platz darin findet. So hält sich die Wärme besser. Das Grundgerüst bildet eine schräg in den Boden gesteckte Astgabel, die ungefähr Körpergröße haben sollte. In die Gabel kommt ein zweiter massiver Ast, der den Dachfirst bildet. Mit schmaleren Stöcken und Reisig werden die beiden Seiten der Reihe nach parallel ausgelegt. Fehlt noch die Isolierung: Schließlich soll das Waldnest auch wetterfest sein. Das Gerüst wird mit Blättern, Moos, Stroh, Gräsern oder Tannennadeln abgedeckt. Den ganzen Blättervorrat sollte man dafür nicht verbraten. Wer will schon auf einem harten Waldboden schlafen, wenn er eine De-luxe-Matratze aus im besten Fall trockenen Blättern haben kann? Ist die Hütte mit einem weichen Blätterbett ausgelegt, kriecht man mit den Füßen voran hinein. Jetzt noch den Eingang mit Reisig verschließen und das ungeplante Mikro-Abenteuer genießen! Gut zu wissen: Eine funktionierende Feuerstelle lässt sich übrigens genauso leicht bauen wie die Debris Hut – nur als Miniatur-Version.

Trinkwasser aufspüren

Raus aus den Blätterfedern und erst mal fünf Sekunden strecken zum Klang von Vogelgezwitscher. Wer jetzt durstig ist, für den wird es Zeit, sich im Wald nach einem Notfrühstück umzuschauen. Menschen können zwar rund einen Monat ohne Essen, aber nur wenige Tage ohne Wasser aushalten. Wenn ein Fluss oder Bach in der Nähe rauscht: perfekt! Ist das Gelände hügelig, stehen die Chancen auf frisches Flusswasser auch gut; man wandert einfach so lange bergab, bis man spätestens im Tal ein fließendes Gewässer entdeckt hat. Wer auf einer Anhöhe campt, sollte auf Bergsattel achten; sie sind Fundstellen für Wasser, da sie oft ein Becken bilden. Trinkquellen können aber auch ausladende Blätter sein, auf denen sich Regenwasser vom letzten Niederschlag gesammelt hat; manchmal wird man auch in Astlöchern oder Baumstümpfen fündig. Wer unsicher ist, ob das Wasser Trinkwasserqualität hat, sollte es mit Entkeimungstabletten oder einem Lifestraw-Filter vorher desinfizieren. Mit Topf und Feuerstelle kann man das Wasser auch nach gründlichem Abkochen gefahrlos trinken. Wer jetzt noch seinen Orangensaft zum Frühstück vermisst, kann den zuckerhaltigen Saft probieren, der sich im Frühjahr hinter der Rinde von Laubbäumen verbirgt.

Nahrung: Eine Angel basteln

Wer ausgehungert ist, kann im Wald einen Proteinsnack unter abgestorbenen Baumrinden finden: Dort tummelt sich viel Nahrhaftes, von Asseln bis zu Maden von Holzkäfern. Der Feinschmecker baut sich lieber schnell eine einfache Angel. Dazu braucht man neben einer Leine eine umgebogene Nadel als Haken, ein Steinchen als Senkblei und einen Korken als Schwimmer. Wer keinen Korken findet, kann auch Federkiele, Holzstückchen oder trockene Früchte verwenden. Da der Haken keinen Widerhaken besitzt, ist es wichtig, die Leine straff zu halten, wenn ein Fisch angebissen hat. Mit einem Messer oder einem scharfkantigen Stein lassen sich die Schuppen entfernen, am besten vom Schwanz­ende zum Kopf. Wenn die Organe entnommen sind, kommt der Fisch übers Feuer. Auch für Sushi-Fans gilt: In der Wildnis sollte man darauf verzichten, rohen Fisch zu essen. Sowohl Meeres- als auch Süßwasser­fische können gefährliche Parasiten übertragen. Natürlich hält die Natur auch für Vegetarier eine Speisekarte aus Beeren, Pilzen oder essbaren Bäumen bereit – allerdings nur, wenn man sie erkennen und unterscheiden kann. Während die hellgrünen Triebspitzen von Fichten, Tannen, Kiefern und Lärchen eine leckere gerbstoffhaltige Knabberei sind, die allerdings im Regelfall in den Wäldern zum Schutz der Bäume verboten ist, sind die Triebe von Eiben hochgiftig. Auch viele schmackhafte Pilze haben einen diabolischen Doppelgänger. Also Finger weg von vegetarischer Ernährung in der Natur, wenn auch nur die kleinste Unsicherheit besteht!

Orientierung: Auf die Sonne ist immer Verlass

Notfallguide Frau wandernt auf einen Berg
Foto © Lucas Favre

Ohne Kompass kann man schnell mal die Orientierung verlieren, vor allem, wenn sichtbare Landschaftsmarker wie Bergketten oder Seen fehlen. Zum Glück gibt es auch andere Wege, die Himmelsrichtung zu bestimmen, zum Beispiel mithilfe der Sonne. Dazu steckt man auf einem möglichst ebenen Boden einen Mini-Stock senkrecht in die Erde und markiert das Ende des Schattens, den er wirft. Nach einer Viertelstunde wird erneut markiert. Die Verbindungslinie zeigt die Ost-West-Richtung an. Der letzte Schattenwurf markiert übrigens immer das Ostende, egal ob man sich auf der Süd- oder
auf der Nordhalbkugel befindet. Um die Richtung möglichst genau zu bestimmen, sollte man am besten kurz vor und kurz nach zwölf Uhr messen, wenn die Sonne am Höchsten steht.

Mini-OP: Schürfwunden behandeln

Gerade noch auf dem Weg zum Gipfel eine Abkürzung genommen, über einen quer liegenden Baumstamm gestolpert und den Sturz mit Knien oder den Handballen abgebremst. Bei einer Verstauchung muss man zunächst ausreichend kühlen. Danach unbedingt die Schwellung mit einem Stützverband, etwa einer elastischen Binde, bandagieren. Schürfwunden sind in der Regel nicht gefährlich. Es genügt, die Verletzung vorsichtig unter fließendem Wasser zu säubern. Ein steriles Pflaster hält die Schürfwunde feucht und bewahrt sie so vor vollständigem Austrocknen. Wenn sich Fremdkörper wie Moos oder Steinchen in die Wunde gegraben haben und es großflächige Hautabschürfungen gibt, können sich leichter Infektionen ausbreiten, die eine verzögerte Wundheilung zur Folge haben. Dann ist es Zeit für eine Mini-OP. Man kann die Wunde mit einem leichten Betäubungsspray (Lokal­anästhetika) benetzen. Anschließend entfernt man die Verunreinigungen vorsichtig mit einer Pinzette.

Wolkenatlas: Wetterumschwünge am Berg erkennen

Wie heißt es: „Der Berg verzeiht keine Fehler.“ Wer im Gebirge unterwegs ist, sollte die Wetterzeichen genau im Blick behalten. Bei den kleinsten Anzeichen eines Gewitters sofort den Abstieg in Angriff nehmen oder Schutz in einer Hütte suchen. Auf eine stabile Wetterlage deuten fluffige Federwolken hin, die in breiten Fäden den Himmel zieren. Kleine Quellwolken stehen oft direkt über den Gipfeln. Sie entstehen durch leicht feuchte Luft, die nach oben geleitet wird und in kalten Lagen kondensiert. Sollten sie im Verlaufe des Tages immer größer werden, können mächtige Quellwolken entstehen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie zu Gewitterwolken werden.

Quelle: J. Vogel: „Survival-Guide für echte Kerle“, Pietsch, 256 S., 19,95 Euro
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