Die Mitglieder im White Club frönen dem weißen Sport auf recht ungewöhnliche Weise. Statt verstaubter Club-Atmosphäre dominiert bei den Freizeitspielern die Vorliebe für besonders ausgefallene Orte. Das Ziel: Tennis endlich wieder cool machen. 

Würde Roger Federer im Winter auf der Zugspitze spielen? Vielleicht. Er ist ja Schweizer und liebt die Berge. An diesem Dezembermorgen, kurz vor sechs Uhr in der Früh, ist der höchste Punkt Deutschlands jedenfalls nicht gerade der beste Ort für ein gepflegtes Tennismatch. Das Thermometer zeigt 15 Grad unter Null, die Aussichtsplattform ist verschneit, und durch den dichten Nebel kann man die aufgehende Sonne höchstens erahnen. Christoph Hanke und Peter Wehner, die Gründer des White Club, sowie acht Helfer haben auf Isomatten im Essenssaal der Bergstation übernachtet. Jetzt ist Match Time. Bis 8.30 Uhr haben sie Zeit, um alles aufzubauen, Bälle zu schlagen, Fotos zu machen und Videomaterial zu drehen. Dann kommen die Touristen. In dicken Daunenjacken geht es raus in die eisige Kälte. Willkommen auf dem verrücktesten Center Court der Welt.

Vor zwei Jahren wurde der White Club gegründet und macht seitdem mit außergewöhnlichen Aktionen auf sich aufmerk- sam. Im Sommer 2015 kaperte man etwa das stillgelegte Fußballfeld des Münchener Olympiastadions, wo mit Klebeband die Linien markiert wurden. Zwei Autos fuhr man ins Stadion, das Netz wurde daran befestigt, damit die Spieler auch unter realen Match-Bedingungen spielen konnten.

White Club Tennis im Olympiastadion im München
© White Club/Christoph Hanke

Im vergangenen Jahr traf man sich zum Serve-and-Volley auf der Passerelle-Debilly-Brücke in der Pariser Innenstadt, sehr zur Freude des französischen Tennisprofis Gaël Monfils, der für ein Fotoshooting vorbeischaute und ein paar Bälle schlug. Buchstäblich cool wurde es auch in der Eishalle vom EHC Red Bull München, wo neben Rackets auch Schlittschuhe zum Equipment gehörten. „Das war der schnellste Belag seit Wimbledon 1985“, sagt Christoph Hanke in Anspielung an den ersten Triumph von Boris Becker auf dem „heiligen Rasen“, wo die Bälle maximal beschleunigen.

White Club Tennis mit Gael Monfils in Paris
© White Club

Hinter dem White Club – der Name ist eine Anspielung an den Film „Fight Club“ mit Brad Pitt – stecken aber eigentlich keine klassischen Performance-Sportler, die mit Kunstaktionen den öffentlichen Raum belagern,sondern lediglich begeisterte Hobbyspieler. „Der White Club ist so etwas wie ein Online-Tennisclub mit bundesweit knapp über 2.000 Mitgliedern. Jeder kann bei uns mitmachen, es gibt keine Aufnahmegebühren und sonstigen Hürden. Die Leute sollen einfach kommen und spielen“, sagt Christoph Hanke.

Über die eigene Website verabreden sich die Hobbyspieler innerhalb einer eigenen Liga und finden so neue Partner und Gegner. Auch wenn Spaß und Lockerheit im Vordergrund stehen, gibt es trotzdem eigene Ligaregeln: Ein Match dauert eine Stunde, danach entscheidet der aktuelle Score. Es spielt jeder gegen jeden, auch Männer gegen Frauen, die eigene Stärke kann man von eins (Profi) bis sechs (Anfänger) angeben. Via Social Media werden wöchentlich neue Spielorte kommuniziert, an denen man in entspannter Runde zusammenkommt. Am häufigsten trifft man sich auf der Münchener Hirschau-Anlage im Englischen Garten.

„Der Urgedanke war, eine Freizeitliga zu gründen, als Alternative zur strengen Vereinskultur, der man mitunter begegnet. Im Gegensatz zu anderen Sportarten wie Fußball oder Basketball hat Tennis in den vergangenen 20 Jahren nie eine wirkliche Verjüngung erfahren. Wir dachten uns: Wenn die Leute nicht mehr zum Tennis kommen, dann bringen wir den Sport zu den Leuten, unter anderem mit unseren ungewöhnlichen Aktionen“, sagt Christoph Hanke.

Weitere Infos: www.whiteclub-tennis.com

Tennis White Club im Containerdorf in München
© White Club