Die Tage werden wieder kürzer? Macht nix, die Wanderwege werden immer schöner! Doch gerade im Herbst und im Winter kommt es auf die richtige Ausrüstung an. Das sind die besten Tipps für alle Draußenbleiber.

Schuhe

Ob zwei Stunden durch den nächsten Wald oder zwei Wochen durch das ferne Hochgebirge: Auf den richtigen Schuhen fußt jedes gute Outdoor-Erlebnis. Wichtigster Tipp von Karstadt Sports Outdoor-Experte Kai-Uwe Polte für alle Schwierigkeitsgrade: „Niemals in Schuhen losstiefeln, die nicht eingelaufen sind.“ Wer in Sachen Passform sichergehen will, kann seine Füße in einem 3D-Scanner abmessen lassen und in Absprache mit dem Kundenberater den richtigen Schuh auswählen. Hauchfeine Membrane aus porösem Teflon (z. B. Gore- Tex) sorgen dafür, dass die Schuhe absolut wasserdicht sind. Ein weiterer wichtiger Faktor für Preis und Qualität der Wanderstiefel: die Atmungsaktivität. Atmen kann der Fuß im Membranschuh nur, wenn er in einem Synthetiksocken steckt, Mamas Baumwolldinger also nicht zum Einsatz bringen, wenn die 168 Kilometer des legendären Rennsteig im Thüringer Wald zu bewältigen sind. Experte Polte rät: „Je höher es hinaufgeht, desto höher sollte der Schuh und desto fester sollte die Sohle sein.“

Das meistverkaufte Modell, der „Renegade“ von LOWA, gibt es zwischen 160 (Low) und 190 (Mid) Euro, ihn empfiehlt Polte für Wanderungen im flachen Gelände, beispielsweise auf dem Weg von Hannoversch-Münden bis Sababurg entlang der Weser. Wen es auf eine Bergsteigertour über den niederösterreichischen Rauher Kamm oder auf mehrtägige Trails wie den Goldsteig im Oberpfälzer Wald zieht, sollte 250 bis 300 Euro aus der Reisekasse opfern. Polte: „Nichts vermiest einem das Outdoor-Erlebnis mehr als ein schlechter Schuh.“

Camping im Wald
© Julia Bialowas

Rucksack

Was kommt rein, wenn ich draußen bin? Und: Wie viel nehme ich mit, wenn doch der Reiz darin besteht, mit so wenig wie möglich auszukommen? Für eine klassische Tagestour im Herbst, zum Beispiel durch die Wutachschlucht im Schwarzwald, reichen Rucksäcke, die ein Fassungsvermögen von 30 Litern haben, im Idealfall mit integrierter Rückenlüftung. Verpflegung (besonders Getränke), Erste-Hilfe-Set, Handy, Wechselkleidung – mehr muss da nicht rein. Das Einsteigermodell inklusive Sitzkissen, Notsignalpfeife, Kartenmappe und Regenschutz gibt es schon ab 55 Euro von Moorhead. Je länger die Tour, desto mehr Litervolumen sollte der Rucksack haben. Auf einer Trekkingtour wie dem Alemannenweg (137 Kilometer, sieben Tage, 4.340 Höhenmeter) rät der Experte außerdem dazu, auf die Rückenlüftung zu verzichten, mehr Stabilität bringt mehr Tragekomfort selbst in unwegsamem Gelände. Für einen anspruchsvollen Trail wie den Eifelsteig ist man mit 50Litern allerdings ausreichend versorgt, Schlafsack und Isomatte finden locker Platz. Wie viel Kilos man maximal mit sich herumschleppen sollte, hängt vom jeweiligen Körpergewicht ab – maximal 25 Prozent des eigenen Gewichts dürfen auf den Rücken, mehr als 25 Kilo empfiehlt der Experte allerdings für keine Wanderung.

Feuerwachen beim Camping
© Ian Keefe

Zelt

Sie gehen auf Wanderung durch das Obere Donautal? Gut so, denn der Anblick der weißen Kalkfelsen belohnt jede Anstrengung. Und doch befinden wir uns im Herbst, mit Regen ist also durchaus zu rechnen. Auf Trails und Klettertouren macht das richtige Zelt den Unterschied zwischen Outdoor-Erlebnis oder Freiluftärger. Gewicht, Größe und Wasserdichte sind auch hier entscheidend für den Preis, Experte Polte rät allerdings dazu, auf die jeweils angegebene Personenanzahl einen Platz draufzupacken, es sei denn Gewicht und Packmaß lassen es auf der gewählten Tour nicht zu. Zelte mit Doppelwand sind zwar teurer, bieten aber auch einen trockeneren Schlaf. Moderne Pop-up-Zelte empfiehlt Kai-Uwe Polte für Festivals oder Touren in trockenen Gefilden, auf längeren Ausflügen wie dem Heidschnuckenweg zwischen Hamburg und Celle ist ein Modell von klassischen Marken wie High-Peak ab 129 Euro die bessere Wahl.

Kleidung

Wanderer, machst du dich auf den Weg, bedenke die älteste Regel: Kleide dich nach dem Zwiebelprinzip! Und bitte mit Funktionsbekleidung. Die erste Schicht sollte aus Funktionswäsche bestehen. Bei der Funktionswäsche setzen viele Hersteller mittlerweile ganz auf Merinowolle oder auf eine Kombination aus Merinowolle und Synthetikfasern. Für die zweite Schicht eignen sich, je nach Jahreszeit, Funktionshirts oder Fleece. Fleece ist atmungsaktiv und weist in unterschiedlichen Stärken hervorragende Wärmeisolations-Eigenschaften auf. Als dritte Schicht empfiehlt der Experte eine Funktions-Trekkingjacke und eine Funktionshose. Die Jacken und Hosen gibt es in unterschiedlichen Ausstattungsvarianten, die Jacken etwa mit Unterarmbelüftung und die Hosen mit abzippbaren Beinen. Eine komplette Ausstattung, sei es für Anfänger oder Fortgeschrittene, muss nicht mehr als 350 Euro kosten.

Sonneruntergang in den Bergen
© Shutterstock

Equipment

Die Must-haves für den nächsten Outdoor-Urlaub? „Erste-Hilfe-Set, Trinkflasche, Messer – und Wanderstöcke“, sagt Kai-Uwe Polte. Stöcke wie die von Marktführer Leki entlasten gerade beim Abstieg die Kniegelenke. Wer diese Tipps beachtet, ist für die nächste Route auf jeden Fall gut gewappnet. Keinen Einfluss hat man allerdings auf das Wetter – daher bei Gewitter, Gewitterwarnung und lang anhaltendem Regen die Wanderung verschieben.

Andere Länder, andere Klippen – Karstadt Sports-Experte Kai-Uwe Polte

Unser Experte hatte sein bislang größtes Outdoor-Abenteuer, als er vor vier Jahren durch Nepal wanderte und auf seiner zweiwöchigen Tour feststellen musste, wie groß die Unterschiede zwischen Alpenwanderwegen und dem Himalaya sind. Er kam dann doch heil zurück ins Flachland des Ruhrgebiets. Sein persönlicher Rat für Wanderungen im Herbst und Winter: „Bei Gewitter erst gar nicht rausgehen, das ist gefährlicher, als Nepal in Turnschuhen zu erkunden. Outdoor-Produkte brauchen regelmäßige Pflege, wer ausreichend imprägniert, braucht auch den Regen nicht zu fürchten.

Outdoor-Experte Kai-Uwe Polte von Karstadt Sports

Weitere Infos: www.karstadtsports.de